Menü

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Tübingen

800.000 Jahre Klima: CO₂, Temperatur und Sonneneinstrahlung

Diese Grafik ist bewusst interaktiv: Jede Person kann die letzten 800.000 Jahre durchscrollen, reinzoomen und die Kurven direkt vergleichen. Sichtbar wird ein klares Muster: CO₂ und Temperatur laufen eng zusammen, die Orbitstellung gibt den Takt der Eiszeitzyklen vor. Ergänzend sind CO₂ und Orbit in einem einfachen 1:1-Kombi-Faktor zusammengeführt, um die gemeinsame Erklärungskraft für Temperaturschwankungen sichtbar zu machen. Auffällig ist der sehr schnelle CO₂-Anstieg seit etwa 1900, während der Orbit nur langsam und langfristig wirkt. Per Klick in der Legende lassen sich Kurven ein- und ausblenden, unten kann die betrachtete Zeitspanne frei gewählt werden.

Ziehen zum Zoomen · Doppelklick zum Reset
Konzept, Umsetzung und Inhalte: Hazar Colak

Erklärung zum Diagramm

Dieses Diagramm zeigt den Klimaverlauf der letzten 800.000 Jahre. Links ist „sehr lange her“, rechts ist „heute“. Die vier Kurven stellen unterschiedliche Bausteine des Klimas dar, damit man ihre gemeinsamen Muster und die zeitliche Abfolge vergleichen kann. Achte vor allem auf die Form der Kurven: Wiederkehrende Peaks und Täler markieren die Zyklen. So erkennt man, ob sich Veränderungen gleichzeitig abspielen oder zeitlich versetzt auftreten.

Temperatur (blau, EPICA):

Die blaue Kurve basiert auf dem EPICA-Dome-C-Eisbohrkern aus Ostantarktika. Gemessen wird dort das Verhältnis stabiler Wasserisotope (vor allem Deuterium, δD), das als Temperatur-Proxy dient: Je nach Klimazustand verändert sich die Isotopensignatur des gefallenen Schnees und wird im Eis konserviert. Aus diesen Isotopenmessungen werden Temperatur-Schätzwerte bzw. Temperaturabweichungen rekonstruiert. Deshalb zeigt die Kurve sehr klar die großen Wechsel zwischen Eiszeiten und Warmzeiten und deren wiederkehrende Zyklen über viele Hunderttausend Jahre. Wichtig für die Interpretation: Das ist eine antarktische Temperatur-Rekonstruktion (kein direkt gemessener globaler Mittelwert), eignet sich aber hervorragend, um die großen Klimamuster und ihre zeitliche Abfolge zu erkennen.

Quelle (Datensatz): EPICA Dome C „Deuterium Data and Temperature Estimates“, bereitgestellt u.a. über NOAA NCEI/WDS Paleoclimatology sowie PANGAEA.

CO₂ (orange, ppm):

Die orange Kurve zeigt den CO₂-Gehalt der damaligen Atmosphäre. Er wird direkt aus antarktischem Eis bestimmt: In winzigen Luftbläschen ist alte Luft eingeschlossen (beim Übergang von Firn zu Eis). Im Labor wird diese Luft freigesetzt und der CO₂-Anteil gemessen. ppm bedeutet parts per million (Teile pro Million). Als Treibhausgas wirkt CO₂ wie eine zusätzliche Wärmedämmung der Erde, weil es Wärmestrahlung in der Atmosphäre stärker zurückhält. Hinweis: Das Gas hat ein eigenes Gasalter und kann sich vom Alter des umgebenden Eises unterscheiden.

Quelle (Datensatz, 800.000 Jahre):
NOAA NCEI / WDS Paleoclimatology “Revised Antarctic composite 800 kyr CO₂” (u.a. Bereiter et al.).

 

Sonneneinstrahlung im Sommer (grün, 65°N, Juli):

Die grüne Kurve zeigt die berechnete Sonneneinstrahlung im Juli bei 65° nördlicher Breite. Sie wird oft genutzt, um die Milanković-Zyklen (Achsneigung, Präzession, Exzentrizität) sichtbar zu machen, weil sie die Stärke der Sommer in hohen Breiten abbildet. Starke Sommer begünstigen das Abschmelzen großer Eisschilde, schwache Sommer lassen mehr Schnee und Eis den Sommer überstehen, wodurch Eisschilde wachsen können.

Warum das das Erdklima mitprägt: Wenn Eisschilde wachsen oder schrumpfen, ändert sich die Albedo (Eis reflektiert viel Licht), und damit die Energiebilanz. Das wirkt als Verstärker über weitere Rückkopplungen. 65°N ist besonders aussagekräftig, weil die großen eiszeitlichen Eisschilde auf der landreichen Nordhalbkugel lagen, dort befindet sich grob rund zwei Drittel der Landfläche.

Kombi-Index (weiß, 0–1):

Für den weißen Kombi-Index werden Sonneneinstrahlung und CO₂ jeweils auf eine gemeinsame Skala von 0 bis 1 normiert, damit beide Verläufe trotz unterschiedlicher Einheiten direkt vergleichbar werden. Anschließend werden sie zu einem gemeinsamen Signal zusammengeführt. Das ist kein eigener Messwert, sondern eine Orientierungshilfe: Man erkennt schneller, wann beide Größen gleichzeitig hoch oder niedrig sind und ob ihre Hoch- und Tiefphasen zusammenfallen.

Hinweis:

Die Kurven haben unterschiedliche Einheiten und Skalen. Entscheidend ist deshalb weniger der exakte Zahlenwert, sondern das Muster: Wann steigen oder fallen die Kurven, und wie oft wiederholen sich diese Zyklen.